Unterricht für Streichinstrumente

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Was sind Streichinstrumente?

Leopold Mozarts "Gründliche Violinschule

Die meisten Menschen kennen Wolfgang Amadeus (Amadé) Mozart (1756-1791), den berühmten Komponisten der Wiener Klassik. Weitaus weniger Menschen werden wissen, dass dessen Vater, Leopold Mozart aus Augsburg stammte und der Verfasser eines der ersten deutschsprachigen Lehrbücher für Violinenunterricht ist (erste Ausgabe 1756).

Das Unterrichtswerk "Versuch einer gründlichen Violinschule" (später "Gründliche Violinschule") war lange Zeit das herausragende Lehrbuch auf diesem Gebiet und wurde schon damals ins Holländische (1766), Französische (1770) und Russische (1804) übersetzt, 1937 noch ins Englische und 2014 sogar auch ins Spanische.

"Die Universalität der behandelten Probleme, die eine unvergänglich historische, theoretische und instrumental-methodische Bedeutung haben, machen das Buch zu einer unerschöpflichen Quelle – und dies nicht nur für Lernende und Künstler. Für den Musikwissenschaftler ist sie ein nützliches Instrument; dem Musikpädagogen liefert sie instrumentaldidaktische Impulse, die heute noch verwendbar sind." (Leopold-Mozart-Kuratorium Augsburg)

Was hat L. Mozarts Violinschule nun mit Legaaato zu tun, einem Portal, das Lehrerinnen und Lehrern zur Verfügung steht, die Unterricht in Streichinstrumenten anbieten?
Jeder, der die Violine studiert, wird sich zweifellos auch heute noch gewinnbringend mit diesem Werk auseinander setzen; aber an dieser Stelle benutzen wir es, um uns einen Überblick darüber zu verschaffen, was bis heute unter einem "Streichinstrument" verstanden wird.

Zur Einführung können Sie sich "Die Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi anhören, gespielt von der Amsterdam Sinfonietta, einem Streichorchester mit momentan 22 Mitgliedern: 6 ersten Violinen, 6 zweiten Violinen, vier Bratschen, vier Celli und zwei Kontrabassen.

Amsterdam Sinfonietta: Die Vier Jahreszeiten von A. Vivaldi

Die Streichinstrumente ("Geigen") bei Leopold Mozart

Sie, liebe Besucherin oder lieber Besucher werden vielleicht erstaunt sein, dass der Begriff "Geige" grundsätzlich gleichbedeutend mit "Streichinstrument" ist und nicht nur die Violine meint wie häufig angenommen; aber auch schon zu Mozarts Zeiten hatten viele Menschen bei dem Begriff "Geige" nur die Violine vor Augen; deshalb klärt Leopold Mozart zu Beginn seines Lehrbuchs in §. 1. darüber folgendermaßen auf:

"Das Wort Geige, begreift in sich Instrumente verschiedener Art und Grösse, welche mit Darmseyten bezogen sind, deren iede einer richtigen Austheilung nach grösser als die andere seyn muß, und die mit einem aus Holz gemachten und mit Pferdhaaren bespannten Bogen gestrichen werden. Aus diesem erhellet, daß das Wort Geige ein allgemeines Wort ist, welches alle Arten der Geiginstrumente in sich einschliesset; und daß es folglich nur von einem Mißbrauche herrühret, wenn man die Violin platterdings die Geige nennet."

In §. 2. von "Gründliche Violinschule" gibt Mozart dann anschließend einen Überblick über sämtliche, damals bekannte "Geigen". Er unterscheidet zwölf verschiedene Instrumente:

(Die Anmerkungen in []-Klammern mit Zahlen stammen von Leopold Mozart. Die Hörbeispiele finden sich bei Youtube.com; diese sowie weiterführende Links wurden von Legaaato eingefügt)

Eine schon fast veraltete Art der Geigen sind die kleinen Sack- oder Spitzgeiglein, welche mit 4. oder auch nur mit 3. Seyten bezogen sind. Sie wurden, wegen der Bequemlichkeit sie in den Schubsack zu stecken, gemeiniglich von den Herren Tanzmeistern bey Unterweisung ihrer Lehrlinge gebraucht.[Ausführliche Beschreibung der Tanzmeistergeige]

Dr. John Turner führt eine Tanzmeistergeige vor, auch Pochette genannt

Eine zwote, aber auch wenig mehr übliche Art sind die einfachen, oder Brettgeigen; welche also benennet werden, weil die 4. darauf gespannten Seyten, nur über einem gewölbten Brett gezogen sind, so eigentlich dem obern Theile einer gemeinen Violin oder Diskantgeige gleichet.

Die dritte Art sind die Quart- oder Halbgeiglein. Sie sind kleiner als die gemeinen Violinen, und werden für gar kleine Knaben gebraucht. Doch ist es allezeit besser, wenn es die Finger eines Knaben zulassen, ihn an eine rechte Violin zu gewöhnen; dadurch er die Finger in einer beständigen Gleichheit erhält, sie abhärtet, und solche recht auszustrecken erlernet. Vor einigen Jahren hat man noch so gar Concerte auf diese von den Italiänern sogenannte kleine Violin(Violino piccolo) gesetzet: und da es sich weit höher als eine andere Violin stimmen läßt; so wurde es sonderbar bey musikalischen Nachtstücken mit einer Zwerchflaute, Harfe, oder mit einem andern solchen Instrumente vergesellschaftet, öfters gehöret. Itzt ist man der kleinen Geiglein nimmer benöthiget. Man spielet alles auf der gewöhnlichen Violin in der Höhe.

Hörbeispiel Violino piccolo

Die vierte Gattung sind die gemeinen Violinen oder Diskantgeigen. Von welchen wir eigentlich in diesem Buche zu reden haben.

Hörbeispiel Stradivari-Violine

Eine fünfte Art sind die Altgeigen: welche von dem italiänischen Viola di Braccio, auch Violen heissen; am gemeinsten aber (von Braccio) die Bratschen genennet werden. Man spielet damit sowohl den Alt als den Tenor, auch zur Noth, zu einer hohen Oberstimme den Baß, [1] dazu man doch sonst

Nicolas Bootiman gibt eine Einführung in die Viola (Bratsche)

Eine sechste Gattung, nämlich die Fagotgeige brauchet; welche der Grösse und Beseytung nach von der Bratsche in etwas unterschieden ist. Einige nennen es auch das Handbaßel; doch es ist das Handbaßel noch etwas grösser als die Fagotgeige. Man pflegt also, wie schon gesagt worden, den Baß damit zu spielen: allein nur zu Violinen, Zwerchflauten, und andern hohen Oberstimmen; sonst würde der Grund die Oberstimme überschreiten, und, wegen den wider die Regel laufenden Auflösungen, gar oft eine widrige Harmonie hervorbringen. Diese Ueberschreitung der Oberstimme mit der Unterstimme ist in der musikalischen Setzkunst bey Halbcomponisten ein ganz gemeiner Fehler.

Sigiswald Kuijken gibt eine Einführung in das Violoncello da Spalla (Fagotgeige)

Die siebente Art heißt das Bassel oder Bassete, welches man, nach dem italiänischen Violoncello, das Violoncell nennet. Vor Zeiten hatte es 5. Seyten; itzt geigt man es nur mit vieren. Es ist das gemeinste Instrument den Baß damit zu spielen: und obwohl es einige etwas grössere, andere etwas kleinere giebt; so sind sie doch nur der Beseytung nach, folglich nur in der Stärke des Klanges, ein wenig von einander unterschieden.

Hörbeispiel Violoncello

Der grosse Baß, (il contra Basso) der auch gemeiniglich der Violon genennet wird, ist die achte Gattung der Geiginstrumente. Dieser Violon wird ebenfalls von verschiedener Grösse verfertiget: allein es bleibt allezeit die nämliche Stimmung; nur daß man bey der Beseytung den nöthigen Unterscheid beobachtet. Weil der Violon viel grösser als das Violoncell ist; so ist auch dessen Stimmung um eine ganze Octav tiefer. Er wird am gewöhnlichsten mit 4, und auch nur mit 3, der grössere aber auch mit 5. Seyten bezogen. Bey diesem mit 5. Seyten bespannten Violon sind an dem Hals durch alle Intervallen Bände von etwas dicken Seyten angebracht; welches das Ausfliegen der Seyten auf dem Griffbrette hindert, und folglich der Klang dadurch gebessert wird. Man kann auch auf einem solchen Basse die schweren Passagen leichter herausbringen: und ich habe Concerte, Trio, Solo etc. ungemeon schön vorgetragen gehört. Doch habe ich bemerket, daß beym Ausdruck einer Stärke beym Accompagnieren allezeit sich zwo Seyten zugleich hören liessen; weil die Seyten merklich dinner sind und näher beysammen stehen, als bey einem Basse, der nur mit 3. oder 4. Seyten bezogen ist.[Kontrabass erschöpfend behandelt bei Silvio Dalla Torre

Hörbeispiel Violon (Kontrabass)

Die neunte Art ist die Gamba. Sie wird zwischen die Beine gehalten; daher es auch den Name hat: denn die Italiäner nennen es Viola di Gamba, das ist: Beingeige. Heut zu Tage wird auch das Violoncell zwischen die Beine genommen, und man kann es mit allem Rechte auch eine Beingeige nennen. Im übrigen ist die Viola di Gamba von dem Violoncell in vielem unterschieden. Es hat 6, auch 7. Seyten; da das Bassel nur 4. hat. Es hat auch eine ganz andere Stimmung, einen angenehmern Ton, und dienet meistentheils zu einer Oberstimme. [Ausgezeichneter Überblick bei Wikipedia]

Hörbeispiel Viola da Gamba

Die zehnte Gattung ist der Bordon, nach dem gemeinen Sprechen der Barydon, von dem italiänischen Viola di Bordone, [2]. Dieses Instrument hat, gleich der Gamba, 6 bis 7 Seyten. Der Hals ist sehr breit und dessen hinterer Theil hohl und offen, wo 9 oder auch 10 messingene und stählerne Seyten hinunter gehen, die mit dem Daumen berühret, und geknippet werden; also zwar, daß zu gleicher Zeit, als man mit dem Geigebogen auf den oben gespannten Darmseyten die Hauptstimme abgeiget, der Daume durch das Anschlagen der unter dem Hals hinabgezogenen Seyten den Baß dazu spiele. Und eben deswegen müssen die Stücke besonders dazu gesetzet seyn. Es ist übrigens eines der anmuthigsten Instrumente. [Umfänglicher mit Ansichten: Museum of Historical Musical Instruments, International Baryton Society]

Hörbeispiel Baryton

Eine eilfte Art mag die Viola d'Amor seyn; nach dem italiänischen Viola d'Amore, und nach dem französischen Viole d'Amour. Es ist eine besondere Art der Geigen, die, sonderheitlich bey der Abendstille, recht lieblich klinget. Oben ist sie mit 6. Darmseyten, davon die tiefern übersponnen sind, und unter dem Griffe mit 6. stählernen Seyten bezogen; welche letztere weder gegriffen, noch gegeigt werden, sondern nur, den Klang der obern Seyten zu verdoppeln und fortzupflanzen, sind erdacht worden. Dieses Instrument leidet viele Verstimmung. [ausführlich: International Viola d'amore Society e.V.

Hörbeispiel Viola d'Amore

Die zwölfte Gattung ist das englische Violet, so hauptsächlich von der Viola d'Amore nur dadurch unterschieden ist, daß es oben 7. und unten 14. Seyten, und folglich auch eine andere Stimmung hat, auch wegen Viele der untern Klangseyten einen stärkern Laut von sich giebt.

Eine alte Art der Geiginstrumente ist die aus dem Trumscheid entstandene Trompete marine. Es hat nur eine grosse Darmseyte; hat einen dreyeckichten Körper; einen langen Hals, u.s.w. Die Seyte liegt auf einem Stege, welcher auf einer Seite den Sangboden kaum berühret, und folglich verursachet, daß die Seyte, wenn sie gegeigt wird, einen schnarrenden Ton, gleich einer Trompete, von sich giebt.[Umfassend: The Tromba Marina - A Study in Organology]

Hörbeispiel Trompete marine

Diese nun sind alle mir bekannte und meistentheils noch übliche Gattungen der Geigen; davon die vierte, nämlich die Violin, der Stoff dieser zum Versuch unternommenen Lehrschrift seyn wird.

Anmerkungen

1 Ich hatte oft Gelegenheit über Violoncellisten zu lachen, die den Baß zu ihrem Solo so gar mit einem Violon accompagnieren liessen, wenn gleich ein Violoncell noch zugegen war.

2 Einige sprechen und schreiben Viola di Bardone. Allein Bardone ist meines Wissens kein italiänisch Wort; wohl aber Bordone: denn dieses heißt eine Tenorstimme; bedeutet auch eine grobe Seyte, eine Hummel, und das leise Brummen der Bienen. Wer dieses Instrument kennet, wird auch einsehen, daß durch das Wort Bordone, der Ton desselben recht sehr gut erkläret sey. [Eine moderne Version ist noch anzufügen: The correct name for this instrument is actually “Viola di Pardone”. The story has it, that a criminal awaiting his execution in an English dungeon invented this adorable instrument. The Lord, when he experienced him playing upon it, was so thrilled that he instantly pardonned him, from whence the name.]

Von diesen zwölf Streich-Instrumenten haben sich nur vier in der heutigen Musik etablieren können: die Violine, die Bratsche/Viola, das Cello/Violoncello sowie der Kontrabass in Kreisen, die sich mit "alter" Musik beschäftigen, haben auch die Viola da Gamba sowie die Viola d'Amore noch Bedeutung.

Herstellung von Streichinstrumenten

Zum Schluss noch eine kurze Übersicht aus dem österreichischen Berufslexikon, die kurz skizziert, in welchen Arbeitsschritten und mit welchen Materialien Streichinstrumente und Bögen hergestellt werden.

Ausbildungsschwerpunkt "Streichinstrumente":
Streichinstrumente sind Musikinstrumente, bei denen die Saiten mit einem Bogen (siehe Ausbildungsschwerpunkt "Bogen") zum Klingen gebracht werden. Dazu zählen vor allem Violine (Geige), Viola, Violoncello, Kontrabass und Gambe.

Bei der Konstruktion einer Geige müssen die Streich- und SaiteninstrumentenbauerInnen zunächst Skizzen und Werkzeichnungen der Instrumententeile (Decke, Boden, Zargen, Griffbrett) anfertigen. Diese Zeichnungen übertragen sie dann auf die jeweiligen Hölzer (Anreißen), damit sie die entsprechenden Teile aussägen können. Die Zargen (Seitenteile) hobeln sie auf eine Wandstärke von etwa eineinhalb Millimeter aus, schleifen sie und biegen sie über einem heißen Eisen in die gewünschte Form. Die Decken- und Bodenteile stechen sie mit Holzmeißel und Stecheisen grob aus und bringen sie mit Putzhobel und Ziehklingen (Messer mit schrägem Schliff) in die leicht gewölbte Geigenform. Schließlich schleifen sie sie fein.

Anschließend schneiden die Streich- und SaiteninstrumentenbauerInnen die Schallöcher (f-Löcher) aus der Decke, leimen zarte Versteifungen entlang der Decken- und Bodenkanten ein und bringen Verzierungen an den Rändern an. Sie stechen und schnitzen Hals und Schnecke (obere Verzierung am Hals). Nachdem sie das Griffbrett zurechtgehobelt haben, leimen sie es auf den Hals. Danach fügen sie Decke, Boden, Zargen und Hals mit Holzzwingen zusammen und verleimen sie. Nun bohren sie die Wirbellöcher und setzen die selbst gedrechselten oder zugekauften Wirbel ein. Den Stimmstock (eine Versteifung, die die Klangqualität wesentlich beeinflusst) müssen sie mit dem Stimmstockeisen einpassen und Ober-, Untersattel (Saitenführungen) und Steg anbringen. Hierauf lackieren sie das Instrument mit einem speziellen Lack in mehreren Schichten, bringen anschließend den Kinnhalter an, ziehen die Saiten auf und stimmen sie. Dabei regulieren sie das Instrument durch Verschieben des Stimmstockes. Kleinere Teile wie Kinnhalter, Stege und die dazugehörigen Metallteile und Schrauben beziehen sie halbfertig von spezialisierten Bestandteilfirmen. Oft stellen sie aber neben dem Leim auch den Lack selbst her.

Ausbildungsschwerpunkt "Bogen":

Der Bogen (auch "Streichbogen") dient dazu, die Saiten eines Streichinstrumentes zum Klingen zu bringen. Ein Bogen besteht im Wesentlichen aus einer Stange, die mit Rosshaar (Haare des Pferdeschweifs) bespannt ist. Als Materialien werden bei der Bogenherstellung vor allem verschiedene Bogenhölzer, Knochen- und Hornwerkstoffe, Perlmutt und Rosshaar sowie Klebemittel (Leime, Kleber) und Mittel zum Grundieren, Beizen, Politieren und Lackieren verwendet. Die wichtigsten Arbeiten bei der Herstellung eines Bogens sind das Auswählen der Materialien, das Herstellen und Zusammenfügen der Bogenteile (Bogenstangen, Bogenfrösche, Bogenbeine) und das Behaaren (Bespannen mit Rosshaar).

Mehr Informationen zu den gebräuchlichsten Streichinstrumenten

Auf den folgenden Seiten bieten wir für die vier gebräuchlichsten Streichinstrumente Einblicke in den Aufbau, die Spieltechnik, die Stellung im Orchester sowie zahlreiche Musikbeispiele für die einzelnen Instrumente.

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