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Der Kontrabass

Geschichte

Der Kontrabass weist sowohl bauliche Eigenschaften der Violinen als auch der Gamben auf. Für die Violinfamilie sprechen die F-förmigen Schalllöcher (F-Löcher), die Anzahl der Saiten, die Schnecke am Ende des Wirbelkastens und das bundlose Griffbrett. Für die Gambenfamilie sprechen die meistens abfallenden Schultern, die Saitenstimmung in Quart-Intervallen und der (wie bei der Gambe) von unten gehaltene “Deutsche” Bogen (im Gegensatz dazu wird der “Französische” Bogen wie beim Cello von oben gehalten). Es gibt Kontrabässe mit gewölbtem Violinenboden und solche mit flachem, oben abgeknickten Gambenboden. (Wikipedia)
Der Streichinstrumentenbauer Roger Hargrave stellt den Besuchern seiner Webseite ein umfangreiches PDF-Dokument (in Englisch) zur Verfügung, in dem der Bau eines Kontrabass (Double Bass) genauestens beschrieben wird (für alle, die es wirklich genau wissen wollen).

Das Kontrabass-Sextett der Berliner Philharmoniker spielt für Kinder

Um 1650 begann man die damals üblichen Darmsaiten mit Kupferdraht zu umspinnen, wodurch geringere Saitendurchmesser (und damit ein leichteres Greifen und Streichen) möglich waren. Die Instrumente konnten kleiner gebaut werden und trotzdem den gleichen Tonumfang erzielen wie größere zuvor. Nun erst wurden Kontrabässe leichter spielbar. (Mehr zur Geschichte auf: Kontabassblog.de)

Im 17. Jh. wurde dann der 4-saitige Kontrabass mit der heutigen Stimmung E A D G entwickelt, vermutlich von Michele Todini. Auf jeden Fall war er derjenige, der den Viersaiter 1676 in Rom das erste Mal bei einem öffentlichen Konzert einsetzte. (Der Kontrabass - ein emanzipiertes Instrument)

Während die Bünde (die bei Gamben üblich sind) schon um 1800 völlig verschwanden, dauerte es noch bis in die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, bis sich der viersaitige Kontrabass und die heute übliche Stimmung E1-A1-D-G vollends durchsetzen konnten. Bis dahin hatten viele Bässe vor allem außerhalb des deutsch-sprachigen Raums nur drei Saiten in Quarten- (Italien, Spanien) bzw. Quinten-Stimmung (Frankreich, Großbritannien). (Gesellschaft der Bassisten in Deutschland - GEBA)

Der 4-Saiter hatte einen weicheren, glatteren und schwächeren Klang als der 3-Saiter, dafür in der Tiefe einen größeren Tonumfang bis E1. Der schwächere Klang wurde durch eine größere Besetzung ausgeglichen. Darüber hinaus begannen neue Blasinstrumente in tiefster Lage wie Bassklarinette und Kontrafagott den Kontrabass zu unterstützen. (Vienna Symphonic Library)

Stellung des Kontrabass beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten

Wie aus dem letzten Abschnitt deutlich wird, übernimmt der Kontrabass (wie alle Bass-Instrumente) vor allem rhythmische Aufgaben und bildet das harmonische Grundgerüst für das Orchester. Das Spiel des Kontrabass’ bildet sozusagen die Basis für die Melodie-Instrumente.

In der internen Orchester-Hierarchie steht der Kontrabass deshalb zumeist ganz unten – und damit auch der Bassist. Patrick Süskind lässt einen Spieler dieses Instruments in seinem Theaterstück "Der Kontrabass" wunderbar als Hinterbänkler (»drittes Pult, Tuttischwein« [Erklärung s. u.]) eines Staatsorchesters über seine Hassliebe zu seinem sperrigen Instrument lamentieren.

"Nein, geboren wird man wirklich nicht zum Kontrabass. Der Weg dorthin führt über Umweg, Zufall und Enttäuschung. Ich darf sagen, dass bei uns im Staatsorchester von acht Kontrabassisten nicht einer ist, den das Leben nicht gebeutelt hätte und dem die Schläge, die es ihm ausgeteilt hat, nicht noch heute ins Gesicht geschrieben stünden. Ein typisches Kontrabassistenschicksal ist zum Beispiel meines: Dominanter Vater, Beamter, unmusisch; schwache Mutter, Flöte, musisch versponnen; ich als Kind liebe die Mutter abgöttisch; die Mutter liebt den Vater; der Vater liebt meine kleinere Schwester; mich liebte niemand – subjektiv jetzt. Aus Hass auf den Vater beschließe ich, nicht Beamter, sondern Künstler zu werden; aus Rache an der Mutter aber am größten, unhandlichsten, unsolistischsten Instrument [...] Als Kontrabassist im Staatsorchester, drittes Pult [...] vergewaltige ich täglich in der Gestalt des Kontrabasses, des größten der weiblichen Instrumente – formmäßig jetzt –, meine eigene Mutter [...] (Seite 38f)

Der Kontrabass ist das scheußlichste, plumpeste, uneleganteste Instrument, das je erfunden wurde. Ein Waldschrat von Instrument. (Seite 49)

Können Sie mir sagen, wieso ein Mann Mitte Dreißig, nämlich ich, mit einem Instrument zusammenlebt, das ihn permanent behindert?! Menschlich, gesellschaftlich, verkehrstechnisch, sexuell und musikalisch nur behindert?! Ihm ein Kainsmal aufdrückt?! (Seite 69)"
(Patrick Süskind, Der Kontrabass)

Der Kontrabass von Patrick Süskind
Uwe Schönbeck in DAS Theater an der Effingerstrasse, Bern

Für die, die sich dieses "Trauerspiel" in unterschiedlichen Versionen ansehen möchten, haben wir eine kleine Auswahl zusammengestellt; man kann sie nutzen, wenn man mal gerade keine Lust hat, Kontrabass zu üben, oder darüber nachdenkt, vielleicht doch lieber ein anderes Instrument, wie z. B. das Cello, zu lernen. Vielleicht hilft es jedoch auch dem einen oder anderen, der gerade mit dem Kontrabass hadert, sein Selbstmitleid zu überwinden und mit größerer Energie Neues am Kontrabass auszuprobieren oder doch wenigstens sein Schicksal als notwendiger, aber eher unauffälliger Teil eines Ensembles, d. h. ein Dasein als »Tuttischwein« (s. u.), zu akzeptieren (wie das auch der Bratscher Joachim Landkammer getan hat):

Als "Tuttischweine" werden unter Musikern gelegentlich diejenigen Orchestermusiker (abschätzig) bezeichnet, die bei mehrfach besetzten Stimmen zuerst aussetzen müssen, wenn die Gesamtlautstärke des Orchesters oder auch nur einer Stimme oder Instrumentengruppe reduziert werden soll; ein solcher Musiker spielt in der Regel nur bei forte (ital. ‚stark, laut‘) oder fortissimo (ital. ‚sehr stark, sehr laut‘) gekennzeichneten Passagen einer Partitur mit.
Weil sie somit oft weniger zu tun haben, zum Teil geringer bezahlt werden und zumeist nur im Hintergrund wirken, werden sie von Kollegen gelegentlich als arme Schweine angesehen. Zusammen mit der Tatsache, dass sie — wenigstens in ihrer Stimme, meist aber im gesamten Orchester — nur tutti (ital. tutti ‚alle‘; Tuttist, Gegenteil von Solist) spielen, erklärt das die Herkunft des Wortes.

Aber Kontrabassist*innen wissen sich zu wehren, wie der folgende Witz zeigt: Zwei schiffbrüchige Kontrabassisten treiben verloren auf ihren Instrumentenkoffern im Meer. Plötzlich fängt der eine an, lauthals zu lachen. "Was ist denn mit dir los," fragt der andere, "was gibt es jetzt noch zu lachen?" "Ich habe gerade daran gedacht, womit der 1. Geiger, dieser eingebildete Fuzzi, sich jetzt wohl über Wasser hält?"

Solo für Kontrabass ? Solo für Kontrabass!

Der Professor für Kontrabass und Kammermusik an der "Hochschule für Musik und Theater" in Rostock befasst sich auf seiner Internetpräsenz umfassend mit dem Kontrabass, u. a. auch mit den Möglichkeiten, den Kontrabass als Solo-Instrument zu spielen:

"Das Ansehen eines Instruments hängt sehr von dessen solistischer Verwendbarkeit ab. Ist aber der Kontrabass ein Soloinstrument - oder, genauer gefragt, ist der Kontrabass auch ein Soloinstrument? Denn es ist ja völlig klar, dass das solistische Spiel auf dem größten der Streichinstrumente nicht dessen eigentliche Zweckbestimmung ist.

Die Frage muss eindeutig bejaht werden. Allein schon die umfangreich vorhandene Sololiteratur aus mehreren Jahrhunderten rechtfertigt eine solche Antwort. Untersucht man allerdings deren Qualität, muss man leider zu dem Schluss kommen, dass große Komponisten, bis auf wenige Ausnahmen, im Schaffen von solistischen Kontrabass-Kompositionen, also Konzerten, Sonaten usw. keinen besonderen Reiz gesehen haben. Es gibt keine Mozart- oder Beethoven-Sonate, kein Werk […] für den solistischen Kontrabass.

[…]Seitdem hat sich viel geändert. Bottesinis lange Zeit als nahezu unspielbar geltende Stücke gehören heute quasi zum Standard-Programm an Musikhochschulen. Es gibt eine Fülle von Aufnahmen fast des gesamten Kontrabass-Solorepertoires, es werden so viele Werke wie nie zuvor geschrieben - und doch kann sich der Kontrabass auf der Konzertbühne nicht behaupten und bleibt als Soloinstrument ein Kuriosum.

Anders im Jazz. Dort hat sich der solistische Kontrabass als absolut gleichwertiger Partner von Saxophon, Gitarre, Trompete, Posaune und Klavier etabliert." (Silvio Dalla Torre)

Die sehr euphorische Einschätzung von Dalla Torre zum Solospiel des Kontrabass im Jazz wird im "SPIEGEL" jedoch etwas eingeschränkt:

"Den Kollegen im Jazz geht es etwas besser, doch auch sie gehören zu den Begleitmusikern, die man in ihrer Zunft "Sideman" nennt.

Als so einer galt Charnett Moffett (Tonbeispiel s. u.). Der amerikanische Bassist debütierte als 16-Jähriger in der Band von Wynton Marsalis und sorgte seitdem für das rhythmische Fundament bei Stars wie Ornette Coleman, Art Blakey, McCoy Tyner und zuletzt Melody Gardot. Auf über 200 Tonträgern ist Moffett dabei. Doch er musste 45 werden, ehe jetzt eine Plattenfirma dem Musiker die Chance bot, seine Virtuosität zu präsentieren."

Großartige Musik für Kontrabass und mit Kontrabass

Egal, ob Du den Kontrabass als "Tutti-Schwein" im Orchester, als "Sideman" in einer Jazz-Truppe oder als Mitglied einer Volksmusikgruppe spielen willst oder doch eher eine Solo-Karriere auf diesem Instrument anstrebst, wenn Du bis hierhin noch nicht entschlossen bist, sofort anzufangen, Kontrabass zu lernen und nach einer Lehrerin oder einem Lehrer für Kontrabass zu suchen, dann präsentieren wir Dir im folgenden ein paar ausgewählte Musikstücke, die Dir Deine Entscheidung erleichtern werden!
Es ist aber auch möglich, der Musik einfach nur zu lauschen und sie zu genießen.

Klaus Stoll: Kontrabasskonzert Nr. 1 Es-Dur (D-Dur)
von J. C. Ditters von Dittersdorf

Charnett Moffett: Eleanor Rigby von The Beatles

Lynn Seaton and Christian McBride

Charlie Haden: Lonely Woman von O. Coleman und J. Gardner

Hagrainer Musikanten: Landler

Gary Karr: Interview und Live Performance 1969

Frau Contra Bass: Comes Love

Kinder und Kontrabass

Wer übrigens sein Kind erst einmal mit dem Kontrabass bekannt machen will, bevor es sich entscheidet, welches Streichinstrument es lernen will (weil es noch gar nichts über die verschiedenen Instrumente weiß), dem bietet z. B. der WDR mit seiner Klangkiste eine hübsche Übersicht mit Beschreibungen, Bildern und Klangbeispielen; in der Sendereihe "Planet Wissen" gibt es dazu auch zahlreiche Materialien für (Musik)Schulen, die aber auch privat zu Spaß, Spiel und Wissensvermittlung genutzt werden können.

Auch die Berliner Philharmoniker haben unter Simon Rattle einen Schwerpunkt auf die Vermittlung von Musik an Kinder und Jugendliche gelegt, den man auf ihrer Webseite unter "Education" finden kann.

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz unterhält ebenfalls eine Seite, die Kindern und Jugendlichen alles, was mit Klassischer Musik zusammenhängt, näher bringen will: Junge-Klassik.de; es gibt viel zu entdecken dort, u. a. Informationen über den "dicken Brummer im Hintergrund", den Kontrabass.

Auch bei Legaaato kann man Kontrabass-Lehrerinnen oder -Lehrer finden, die in einer Probestunde eine Einführung in das Streichinstrument "Kontrabass" geben.

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