Unterricht für Streichinstrumente

das Portal für Streichinstrumentenunterricht

Anbieter eintragen | Login-Formular anzeigen

LehrerIn suchen

Die Viola oder Bratsche

Wortherkunft "Bratsche"

Die Altgeige oder Viola wurde ursprünglich im Italienischen „Viola da braccio“ genannt, was wörtlich mit „Geige für den Arm“ oder „Armgeige“ zu übersetzen ist (im Gegensatz zur „Bein- oder Kniegeige“, der „Viola da gamba“); im deutsch-sprachigen Raum wurde deshalb dieses Instrument als "Bratschvioline oder -geige" bezeichnet, was mit der Zeit zu "Bratsche" verkürzt wurde.

Die Bratsche im Orchester

Obwohl die Bratsche (Viola) im äußeren Aufbau mit der Violine vollkommen übereinstimmt, sich nur in der Größe und in der Tonlage unterscheidet, ist ihre Stellung im Orchester jedoch eine andere; der Gelegenheitsmusiker Volker Hagedorn schreibt in "DIE ZEIT":

Fürs Profil sorgen oben die Geigen und unten die Celli, und ihre Profilneurosen werden von den Bratschern abgepuffert, den Diplomaten oder auch Narren des Orchesters. Sie vermitteln zwischen unten und oben und genießen es, in der Mitte der Harmonie zu sitzen. Ob ein Akkord in Moll oder Dur erklingt, das hängt oft von ihnen ab, von den zwei Millimetern, die ein Finger auf der Saite verschoben werden muss, um aus einer kleinen eine große Terz zu machen.

Der Solo-Bratschist der Wiener Philharmoniker Heinrich Koll beschreibt in einer Vorstellung der CD "The Art of The Viola" Geschichte und Stellung der Bratsche sehr eindringlich; man spürt: wer Bratsche spielen will, muss einiges aushalten, muss zahllose Witze über sich ergehen lassen, obwohl er eigentlich das "wahre" Instrument spielt.

"Das Folgende klingt wie das Atemholen zu einem Bratschenwitz, ist aber nichts als die Wahrheit. Was haben Joseph Haydn und die Viola (auch Bratsche genannt) gemeinsam? Die Antwort lautet: Sie waren beide der Anfang und die Vollendung in Personalunion. Sie wurden beide von den Folgegenerationen marginalisiert und belächelt. Ihnen beiden widerfuhr in jüngerer und jüngster Zeit Rehabilitation. Und so wie Haydn die Symphonie, das Streichquartett, die Klaviersonate, das Oratorium in ihrer modernen Form erfunden hat, ohne seither in einem dieser Genres nachweisbar eines Besseren belehrt worden zu sein: so ist auch die Viola Ursprung und Zentrum der reichen und schillernden Geschichte der Streichinstrumente.

Aus ihr entwickelten sich Violine (wörtlich: ‘kleine Viola’) und Violone (‘große Viola’), ein kontrabaßähnliches Gerät, dessen Verkleinerungsform ‘Violoncello’ lautet. Auch anderweitig ist die Etymologie auf unserer Seite: Viola leitet sich aus lateinisch vitulari (frohlocken) her. Geige hingegen kommt von gige und bezeichnet lautmalend das Gicksen, das heute eher den Kollegen von der Blechfraktion vorbehalten ist. Und ‘Cello’ ist - wir haben es schon erwähnt - überhaupt bloß eine Verkleinerungssilbe.[…]

L. v. Beethoven: "Duett mit zwei obligaten Augengläsern"

[…]Ab dem 16. Jahrhundert machten sich in den norditalienischen Städten Mailand, Brescia, Cremona und Venedig Meister wie Andrea und Nicola Amati, Gasparo da Salò, Andrea Guarneri und Antonio Stradivari auf, die bis heute unübertroffenen Standards des Instrumentenbaus zu setzen.

Es waren zwei prototypische Violen, aus denen sich dann alles Weitere entwickelte (die Viola d´amore, noch in der Romantik für spezielle Klangwirkungen eingesetzt, ist ein Zwischending aus beiden):

  • Die viola da braccio (italienisch Arm, wovon sich auch Bratsche herleitet), flach, mit gewölbtem Boden, Schallöchern in f-Form und vier Saiten auf einem gewölbten Steg, lag auf der Hals-Schulter-Partie auf, wurde also horizontal gespielt. Aus ihr entwickelte sich die Violine.
  • Die viola da gamba wurde, wie ihr Name besagt, auf dem Knie aufgestützt, war wesentlich voluminöser, hatte einen flachen Boden und Schallöcher in c- oder f- Form. Fünf bis sieben Saiten lagen auf einem flachen Steg. Obwohl das Cello klanglich und baulich zur Violinfamilie gehört, wird es (unerlässlich wegen seines Umfangs) da gamba gespielt.

Im 16. Jahrhundert wurden Alt- und Tenorinstrumente unterschiedlicher Größe, aber gleicher Stimmung gebaut: c, g, d’, a’, was der heutigen Viola entspricht. Auch die Korpuslänge von 40 bis 42 Zentimetern ist bis heute unverändert. So stehen wir vor dem Phänomen, daß sich die Streichinstrumente im Prinzip seit 400 Jahren kaum verändert haben. Den letzten Veränderungen in bautechnischen Details wurden sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterworfen, da man in den großen Hallen das Klangvolumen erhöhen mußte. Die Spannung der nunmehr schwereren Saiten wurde erhöht, der Winkel des Halses zum Korpus leicht nach hinten gekippt, der Hals verlängert.

Die Auslese hingegen war rigide, und die Musikgeschichte stand nur selten auf Seiten der Violen: Im 17. Jahrhundert, mit der Ausbreitung der Barockoper, verschwanden die Gamben, deren weicherer, leiserer Klang den Anforderungen orchestraler Prachtentfaltung in großen Räumen nicht mehr genügen konnte. Als nächstes hatte die Tenor-Viola ausgedient - sie mußte dem Violoncello weichen. Die Alt-Viola und das immer dominanter werdende Cello etablierten sich endgültig als orchestrale Standardbesetzungen.[…]

[…]Während ihre wendigere Nachfahrin, die Violine, als Soloinstrument brillierte, war die Bratsche zur Grundierung und Erzeugung von Stimmungen eingesetzt.[…]

[…]In früherer Zeit allerdings waren unsere orchestralen Aufgaben undankbar: In Tristan und Siegfried ist sie unablässig im Einsatz, erzeugt aber nur grundierend Stimmungen. Und was uns in Webers Freischütz zugedacht ist, rangiert hart an der Beleidigung: Während die Seelenqualen des Jägerburschen Max von der Klarinette und Agathes Hoffen und Sehnen vom Cello in betörenden Zwiegesängen zelebriert werden, ist uns die an der Albernheitsgrenze rangierende Arie des Ännchen zugeordnet.

[…]Es ist allerdings nicht zu leugnen, daß sich viele für die Bratsche entscheiden, weil sie auf der Geige nicht taugen. Das aber ist ein Irrweg: Wenn auf der Geige nichts los ist, ereignet sich auch auf der Bratsche nichts Nennenswertes. Prinzipiell muß jeder Bratscher zunächst Geige studieren, weil die Dimensionen des Instruments für Kinderhände ungeeignet sind. Der Bratscher braucht große Hände und, physikalisch berechnet, ein Drittel mehr Kraft als der Geiger. Krafttraining ist dennoch ungeeignet, denn das verfestigt und verhärtet die Finger. […]

[…]In früheren Zeiten wurde der Bratschist unfreundlich als ‘dritter Geiger’ tituliert. Ausrangierte oder ungebührlich phlegmatische Violinisten wurden zur Bratsche versetzt, was den Ruf nicht beförderte. An der zweiten Bratsche kann man bis heute sehr, sehr alt werden. Deshalb lautet auch der inbegriffliche Bratschenwitz, daß es gar keine Bratschenwitze gibt - nur Tatsachenberichte. Der schlimmste lautet: ‘Was macht man mit einem verstorbenen Solobratschisten?’ - ‘Man setzt ihn ans zweite Pult’.[…]" (Helmut Koll)

Doch diese eher melancholische Haltung ist dem Bratschenspiel nicht nur angemessen, sondern sogar innewohnend:

"[…] Um Bratscher zu sein, muss man das Dunkle lieben. […]

[…] Sie ist das Instrument der spröden Seelentöne, der Selbstzweifel, der deformierten Gefühle, des unterdrückten Aufbegehrens. Wenn sich der Komponist Pierluigi Palestrina in Hans Pfitzners Oper am Ende seiner Schaffenskraft wähnt, untermalt die Bratsche seine Verzweiflung. Die wesentlichen Opern Hindemiths - Cardillac, Mathis der Maler - sind Bratschenopern, in den zentralen musikdramatischen Werken - auch den Kammeropern - des Instrumentationsgenies Britten kann unsereiner schwelgen. Richard Strauss bietet uns in Elektra, Rosenkavalier und Arabella schöne (und schwere) Aufgaben, die alle mit Verlust der Lebensorientierung zu tun haben. […] (Helmut Koll)

Berühmt mit Bratsche?

Im folgenden Video (ein Ausschnitt aus der ZDF-Sendung "aspekte") bestätigt dies der Bratschist Nils Mönkemeyer und stellt die Unterschiede zur Violine heraus:

N. Mönkemeyer: Berühmt werden mit der Bratsche? Geht das?

Mein täglich Brot als Bratscher

Man kann es aber auch ganz anders sehen, wie z. B. Joachim Landkammer in einer Glosse im Liebhaberorchester 1/2014, dem Organ des Bundesverbands Deutscher Liebhaberorchester mit dem Schwerpunkt "Bratsche": nachdem er den "Edelbratscher", der sich in den Klang seines Instruments verliebt hat und es freiwillig spielt, vorgestellt und gewürdigt hat, widmet er sich mit Empathie dem "Unterhaus", den "unedlen Zwangsbratschern":

Aber trotzdem: irgendwie sympathischer und menschlicher bleibt doch der andere, der unedle Zwangsbratscher, der Verhinderte-Geiger-Zweite-Wahl-Violist, der lückenfüllende Hinterbänkler, der im musikalischen Unterholz relativ vernachlässigenswerte Nebennoten beisteuert, deren gänzliches Fehlen niemandem groß auffallen würden. Denn es gibt eben auch den »echten unechten« Bratscher, den edlen Nichtedel-Bratscher: nämlich den, der seine faktisch untergeordnete Rolle ohne Frust und Minderwertigkeitskomplex akzeptiert, der sich nicht zur Kompensation auf den »tollen Klang« seines Instruments herausreden muß (der im Orchester sowieso meist untergeht), der sein mageres Scherflein zum Ganzen beiträgt ohne viel Aufhebens um sein unbeachtetes Schattendasein zu machen, und der ehrlich froh darüber ist, daß für all die talentfreien, ehrgeizlosen, benachteiligten Mittelmäßigen auch ein neidlos zu besetzender Platz außerhalb des Rampenlichts vorgesehen ist.

Wir freuen uns natürlich über jeden erfolgreichen Viola-Solisten, über jeden Repräsentanten der Bratscher-Zunft, der all der meist eher kümmerlich-unwitzigen Witze zum Trotz durch Brillianz, Virtuosentum und heroisches Selbstbewußtsein seinem Instrument endlich uneingeschränkten Ruhm und verdiente Ehre verschafft.
Aber wir fühlen weitaus tiefer mit den vielen anderen Schicksals- und Galeeren-Bratschern, die namenlos ihre verkannten und übersehbaren Frondienste im Unterdeck ableisten. Denn, einmal unter uns Laienbrüdern (und-schwestern) gefragt: sind wir nicht alle genau ebensolche »BratscherInnen«? Wo es auch sei, in der Ausbildung, im Beruf, im Lebensumfeld, in der Ehe: überall hat es uns mehr oder weniger un- bzw. selbstverschuldet verschlagen, aus denen wir stoisch-unverzagt, wie ein »Bratscher« eben, das Beste machen müssen.

So wie überall Blondinen sind, ist überall Ostfriesland und sind wir alle witzfigurentaugliche Bratscher: wir lachen über uns selbst, weil über uns zu weinen ja erst recht nichts bringt. Und weil auch das larmoyante Gelächter über sich selbst ein »Klang« ist, in den man sich »verlieben« kann.

Der Weg zur eigenen Bratsche

Letztlich muss jeder selbst seinen Weg - und sein Instrument - finden - und damit glücklich werden, oder eben unglücklich, wie Patrick Süßkind einst am Beispiel des Kontrabassisten zeigte.
Der Landesmusikrat Berlin hatte das Jahr 2014 der Bratsche gewidmet und dazu eine umfängliche Broschüre herausgegeben, die sich mit vielen Aspekten dieses Instruments befasst. Wer also noch schwankt, ob er zur Bratsche greifen will - und wo er es lernen will, findet dort viele, nützliche Informationen.

Die Nürberger Zeitung hat in Zusammenarbeit mit den Nürnberger Symphonikern einen Musiktalentcheck entwickelt, der Antworten auf Fragen gibt, wie z. B.: Ab welchem Alter ist es günstig, Viola oder Bratsche zu lernen? Wie oft und wie lange sollte das Kind üben? Wie lange dauert es, bis das Kind ein Lied oder kleines Stück spielen kann? Was kostet eine Anfänger-Viola? Welche Vorteile hat die Viola?
Antworten auf diese Fragen gibt es hier; auch das folgende Video entstand in diesem Rahmen:

Musiktalentcheck der Nürnberger Zeitung: Die Viola

Am besten hilft aber der direkte Kontakt mit einer Bratsche, um herauszufinden: Passt dieses Instrument zu meinem Kind oder gefällt es meinem Kind überhaupt?
Bei Legaaato findet man Lehrerinnen und Lehrer für Bratsche, die einem Kind gern in einer Probestunde den Kontakt mit einer Viola (Bratsche) ermöglichen.

Mehr Quellen zu Wissen und Vollkommenheit

Klaus Stoll aus Haldenwang/Allgäu baut eine Bratsche

Schließen

Legaaato.de weiterempfehlen






Dieser Text wird versandt:

Hallo #EMPFÄNGER-NAME#,

ich möchte Dir die Seite www.legaaato.de empfehlen

Du kannst dort kostenlos Deine Unterrichtsangebote für Streichinstrumente (Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass) eintragen.

Du findest dort eine große Anzahl an Lehrerinnen und Lehrern sowie Musikschulen, die Unterricht in den Streichinstrumenten Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass anbieten.

#ABSENDER-NAME#